|
Der Turm
Ab 1564 entstand der Turm an der Südseite. Sein Renaissancehelm wird auf
1592 datiert. Turm und Helm sind für die äußere Erscheinung der Kirche
bestimmend. Der Turm ist ein viergeschossiger quadratischer Bau. Die Höhe
des Mauerwerkes beträgt 23,20 m, bis zur Heimspitze 46 m. Der Sockel ist
durch eine kräftige Schräge abgesetzt und die Geschosse durch gotisch
profilierte Gesimse. An der Westseite befindet sich eine Tür zur
Mauertreppe des Turmes, die ehemalig auch von innen zugänglich war. In
der Zeit um 1596 wurden 2 Turmwächter angestellt, die zur Verhütung von
Feuersbrünsten auf dem Turm wohnten. Eine bronzene Glocke aus dem Jahre
1558 konnte durch die beiden Weltkriege 1914 - 18 und 1939 - 45 gerettet
werden. Mit ihrem weichen dunklen Klang ist sie charakteristisch für die
"Marktkirche", wie die Kirche im Volksmund heißt. Wir betreten
die Kirche durch den ältesten Teil, denn bis zum großen Stadtbrand von
Detmold stand der Turm hier an der Westseite. Mit dem Bau des heutigen
Turmes an der Südseite wurde 1564 begonnen, bis 1579 baute man an dem
Mauerwerk und der Helm wurde erst 1592 vollendet.
|
|
Das Innere
Von hier öffnet sich der Blick auf einen mit kurzen
mächtigen Pfeilern unterteilten Innenraum, der von der Gewölbezone
dominiert wird. Beim Studium des Grundplanes der Kirche erkennt man, dass
es eine dreischiffige Kirche ist.
Von der Westwand bis zum Chorraum im Osten zählt man drei Joche. Parallel
dazu im Norden sind es zwei und im Süden auch jeweils zwei Joche, die mit
Schlusssteinen verziert sind. 5 Schlusssteine wurden nach einem Entwurf
des lippischen Künstlers Karl Ehlers, Professor an der Werkkunstschule in
Münster, in den Jahren 1957 gestaltet. Es handelt sich dabei um
Glasmosaike. In der Westmauer (hinter der Orgel) befinden sich, wie schon
erwähnt, noch geringe Restteile der älteren Kirche, die um das Jahr 1000
erweitert wurde. Gegen 1300 erhielt die Kirche ein Langhaus und einen
Chor. Um 1400 wurde der einfache Kirchensaal erweitert. In der Zeit von
1547 - 1564 entstand die heutige Form der Kirche. Gaul vermutet, dass die
Kirche während der Soester Fehde (1447) und während eines Stadtbrandes
(1547) erheblich gelitten hat. Deshalb ist von der frühmittelalterlichen
Kirche wenig erhalten. Die Innenausstattung der Kirche ist kalvinistisch
schlicht und zeigt dem Betrachter nur wenige interessante Dinge. Das
reformierte Glaubensbekenntnis lässt keine bildlichen Darstellungen zu.
Es ist ausschließlich auf die Wordverkündigung ausgerichtet.
In der vorreformatorischen Kirche gab es laut urkundlicher Erwähnungen 4
Altäre: der Katharinenaltar (1443), Altar der heiligen Engel (1464),
Marienaltar (1488) und der Altar des heiligen Hubertus (1526). Nach der
Einführung der Reformation wurden sie entfernt. Es ist nicht bekannt, was
mit ihnen geschah. Der Innenraum wird geprägt durch die spitzbogigen,
gotischen Fenster, die in ihrer oberen Hälfte teilweise an einen Vierpass
erinnern (ähnlich einem vierblättrigem Kleeblatt) und teilweise
flamboyant sind (flammenartig langgezogene Formen). Ein neugotisches
Fenster über der fürstlichen Prieche (Nordseite) ist als Geschenk des
letzten regierenden Fürsten Leopold IV im Jahre 1908 sicherlich das
jüngste Fenster. Eine kleine Inschrift verweist auf dieses Geschenk. Sie
weist ebenfalls auf die Glasmalerei Quedlingburg hin, die das Fenster
gemacht haben dürfte. Im Chorraum fällt die ebenholzfarbene Kanzel aus
der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts auf, die also stilistisch in die
Spätrenaissance gehört. Diese fünfseitige Kanzel steht auf einer
schlichten Rundsäule. Darüber hängt ein sechseckiger Schalldeckel.
Der Kanzel gegenüber steht das Taufbecken (aus Sandstein), das in der
Form eines Pokals gestaltet ist. .
Sein Schaft weist gedrehte Kanneluren auf. Die Inschrift lautet "Anno
Domini 1579". Blattranken in Form eines Flachreliefs zieren das
Becken. Hinter dem Taufbecken sind blaugrundige, hölzerne Gedenktafeln
für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Hinter dieser Wand wiederum
befindet sich die Sakristei oder die frühere "Gerkammer".
Gerkammer bedeutet "gar" und "fertig". Hier machte
sich der Priester für den Gottesdienst fertig und sprach Gebete, um sich
auf den Gottesdienst vorzubereiten. Seit 1629 diente die Gerkammer als
landesherrliche Gruft. Nach der Errichtung des Mausoleums am Büchenberg
(vor den Toren des damaligen Detmolds) im Jahre 1856 wurde ein großer
Teil der Särge dorthin überführt. Seitdem ist die Gerkammer teilweise
wieder Sakristei, der verbliebene Teil der Gerkammer ist nicht
zugänglich. Von dem Chorraum aus gesehen, rechts und links an der
Nordseite der Kirche, befinden sich zwei ovale Steinplatten. Die eine auf
der Seite des Taufsteines gedenkt der Gefallenen des Krieges 1870/71, die
andere auf der Kanzelseite der Gefallenen des Krieges 1866.
|
|
Die Orgel
Kunstgeschichtlich interessant und für Musiker von Bedeutung ist die
Orgel. Sie wurde bereits 1555 zum 1. Mal erwähnt. Es folgten mehrere
Restaurierungen. Im Jahre 1795 erschuf der berühmte Orgelbauer
Johann-Markus Oestreich aus Oberbimbach bei Fulda sie in der heutigen
Form. Im Jahre 1962 wurde sie unter Verwendung der Register aus der
Reformationszeit und mit rund 90 %iger Erhaltung des alten Barockwerkes
gründlich erneuert und auch erweitert. Diese Arbeiten erfolgten unter
Anleitung von Helmut Tramnitz, Organist und Professor der Detmolder
Hochschule für Musik. Die Orgel hat ca. 2500 Pfeifen. Ihre Fassade hat
eine spätbarocke Gesamtgliederung. Sie wechselt wischen großen und
kleinen Feldern und ist symmetrisch zur Mitte hin aufgebaut. Die Vasen,
Blütenranken, Girlanden und Palmzweige der Dekoration zeigen aber einen
Übergang zum Klassizismus.
|
|
Der Turmraum
Im Turmraum der Kirche befinden sich zwei nennenswerte Epitaphe. Auf der
linken Seite (der Westseite des Turmes) in dunkler Farbe das Epitaphe der,
Margarete von Schwarz, geh. von Kerssenbrock (+ 1567). Es ist
wahrscheinlich das Frühwerk des Lemgoer Meisters Hermann Wulf (1567/68).
Bei diesem Epitaph handelt es sich um ein Flachrelief in Sandstein. In dem
von zwei Säulen abgegrenzten Hauptfeld sind zu Seiten des Kruzifixes die
betenden Figuren des Drosten Adolf Schwarz zu Braunenbruch (+1601) und
seiner Frau dargestellt. Neben dem Ritter sind Schwert und Helm zu
erkennen, neben der Frau ein Wickelkind, das wohl darauf hinweist, dass
sie im Kindbett starb. Das Kruzifix ist von einem Halbkreis mit einem
Engelkopf gekrönt. Seitlich befinden sich die Wappen der Familien Schwarz
und Kerssenbrock. Unter dem Kruzifix ist eine große rechteckige
Rollwerk-Kartusche mit der Inschrift-. Grabschrift der Erbarn vndt
Tvgentsame Margarethen von Kerssenbrock des Ernvesten vnd Erbarn Adolf
Swartzen Hausfrawn so im Jar 1567 - den 29 Janua Seliglig im Hern
entschlafen.
|
Literatur
1. Georg Dehio: Westfalen. 1977. Darmstadt.
2. Karl Ehlers: Das plastische Werk. 1984. Verlag Coppenrath, Münster
3. Otto Gaul: Bau - und Kunstdenkmäler von Westfalen - Stadt
Detmold.1968. Aschedorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster
4. Ulrich Großmann: Detmold. Führer durch die Stadt, Schloß und
Umgebung. 1981. Verlag Trautvetter und Fischer Nachfahren. Marburg
a.d.Lahn.
5. Wilfried Koch: Baustilkunde. 1990. Orbis Verlag GmbH, München.
6. Burghard Meier: Das Mausoleum am Büchenberg bei Detmold. Lippischer
Heimatbund. Detmold 1988
7. N. N. Die Kirche am Markt in Detmold.
8. N. N. Kleine Orgel-Chronik der Detmolder Marktkirche.
|